Zusammenfassung

Hier noch einmal die Link zu den einzelnen Tagen in der Reihenfolge mit kurzer Beschreibung:

Vorbereitung : Ein erster Blick auf Ausrüstung und Wetterkarten

2 Tage vor Abreise: Was man alles mitnimmt

1 Tag vor Abreise: Letzter Blick auf die Wetterkarten

TAG 1 : Riesen-Überraschung – Anreise und erster Chasetag mit den typischen Hindernissen

TAG 2 : Ohne Netz durch Central Texas – HP Superzelle und schlechtes Internet

TAG 3 : Auf dem Weg nach Süden – Wenig fotogene, dafür blitzreiche Gewitter in Süd-Texas

TAG 4 : Grenzerfahrung – In der Nähe der mexikanischen Grenze ohne Erfolg

TAG 5 : Einreiseverbot – Traumhafte Superzelle in Mexiko (unerreichbar) und versöhnliche Blitzshow im Sonnenuntergang

TAG 6 : 500 Meilen Rennen – Kurzlebige Superzelle, unverhofftes Monster bei Nacht, spannender core punch

TAG 7 : Nix los

TAG 8 : Endlich – Mehrere tornadische Superzellen füllen den ganzen Tag

TAG 9 : Ruhetag

TAG 10 : Inflow feature – Wundervolle Struktur an einer langlebigen Superzelle die einen kurzen Inflow Tornado erzeugt

TAG 11 : Bust – Unser target hat sich heute als falsch rausgestellt

TAG 12 : Magere Ausbeute – Kurzlebige Superzelle, kleinkörniger Hagel und schöne Landschaften

TAG 13 : White Sands – Traumhafte Szenerie mit einem Gewitter über der Gipswüste, Naheinschläge UPDATE

Zu Tag 14 haben wir keinen Post mehr geschrieben, viel Fotogenes war nicht dabei. Wir waren in und um Fort Stockton in Texas unterwegs und haben auf der Fahrt Richtung Abilene noch einen wundervollen Sonnenuntergang erlebt.

Zuvor haben wir auf einem Parkplatz gestanden und die Entwicklungen abgewartet, während sich ein großer Eisschirm über uns hinweggeschoben hat – VIDEO

Tag 13 – White Sands

Fahrtstrecke 21.05.2015 Die letzten Tage haben wir uns immer wieder diebisch darüber gefreut, nicht in Deutschland zu sein, weil das Wetter dort für Mitte Mai gelinde gesagt zum Kotzen ist. Heute morgen finden wir draußen 55 Grad Fahrenheit (12,8 Grad Celsius) und Nebel in Fort Stockton vor. Das zwingt einen quasi irgendwo hinzufahren, wo es wärmer ist. Frierend schmeißen wir erstmal die Heizung in unserem GMC an und schauen uns die Wetteraussichten für den Tag an. Nach einem schnellen Einkauf im örtlichen Walmart ist klar, dass wir in der Gegend keinen Blumentopf gewinnen können. Das Storm Prediction Center hat sogar den Slight Risk herausgenommen. Unser Fazit: Ordentliche Gewitter gibts heute nicht, wir konzentrieren uns auf Sight Seeing. Als erstes fallen mir die Calrsbad Caverns ein, eine der größten Tropfsteinhöhlen der Welt befindet sich dort. Ich war 2008 schon einmal dort und damals tief beeindruckt. Also nichts wie los. Unterwegs sinkt die Temperatur noch etwas und der Nieselregen nimmt zu. Was für ein Dreckswetter! Irgendwie wollen wir doch lieber in die Sonne. Das Satellitenbild in diesem Moment zeigt Aufklaren über den White Sands bei Alamogordo und bereits 72 Grad Fahrenheit an. Aus der Vergangenheit weiß ich, dass die White Sands bei gutem Wetter ein echter Hit sind, eine Gipswüste in Mitten der Rocky Mountains. Das ist zwar elend weit im Westen, aber wir entscheiden uns dennoch für die weite Fahrt. Die Route führt uns eigentlich konstant Berg auf. Irgendwann schauen wir aufs GPS und sehen beeindruckende 4500ft Höhe. Boa, schon fast 1500m hoch. Doch das war noch gar nichts, wir fahren quasi konstant gen Himmel. Man merkt dem Motor unseres Gefährts an, dass die Luft dünner wird. Zwischenzeitlich hört er sich an, als würde er nur noch auf 5 Töpfen laufen. In Cloudcroft, östlich von Alamogordo erreichen wir bezeichnender Weise den höchsten Punkt auf unserer heutigen Route, beeindruckende 8700ft (2650m über Normal Null). Wir halten auf einer kleinen Rest Area an und genießen die traumhaft klare Luft. Mittlerweile hat es über uns aufgeklart. 21.05.2015 cloudcroft

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Unser Auto hat schon einiges mitmachen müssen… SAM_4595 Auf der weiteren Reise nach White Sands eröffnet sich dieser tolle Ausblick SAM_4602

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Wir sind hin und weg und sind bereits jetzt überzeugt, dass wir heute alles richtig gemacht haben.Und es sollte noch besser kommen. Auf dem Radar waren bereits kleinere Gewitter zu erkennen, die auf dem Weg Richtung White Sands waren. Diese Gewitter sahen auf dem Radar wirklich sehr schwächlich aus, kamen in der Landschaft visuell aber extrem gut rüber. Kontrast? Ja! SAM_4616 SAM_4618 Wir fühlen uns hier richtig wohl. Nils fühlt sich wieder wie 8 und versucht sich im Aushebeln der Schwerkraft. Sieht sehr behende aus, wenn ihr mich fragt. SAMSUNG CSC Wir sind von der Landschaft einfach nur fasziniert, bemerken im Hintergrund aber, dass es in den Bergen westlich von uns wieder rege Gewitteraktivität zu geben scheint.

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Das ist schon ein anderes Kaliber. Der Eisschirm ist schärfer gezeichnet als zuvor.

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Während dessen auch weiterhin rege Aktivität in Bodennähe. SAMSUNG CSC SAMSUNG CSC Das Gewitter gibt richtig Gas. Der Inflow in das Gewitter zu diesem Zeitpunkt war atemberaubend, wie folgendes Bild verdeutlicht. SAMSUNG CSC Und ratet mal, wen wir wieder einmal treffen? Richtig, Markus Pfister und co stehen auf der Düne nebenan und haben bereits ihre Kameraausrüstung aufgebaut. „Zwei Dumme ein Gedanke“ war dann der trockene Kommentar von Markus, als wir beide ebenfalls mit unserer Ausrüstung angerannt kommen. Das Gewitter sieht mittlerweile richtig kräftig aus, Blitze schlagen in den Bergen ein. So langsam aber sicher schleicht es sich aus den Bergen heraus und kommt direkt auf uns zu. Wir halten drauf was das Zeug hält. SAMSUNG CSC SAMSUNG CSC Es wird richtig wild. Wir werden von der Gewitterwalze beinahe überrollt, schaffen es aber noch rechtzeitig ins Auto. Mir fällt dabei sofort die Schnulze „Es war nur Sand in deinen Augen“ von Roy Black ein. Der Wind hat scheinbar den Dünensand unter meine Kontaktlinsen gepustet. Nils hat durch sein Rumgetolle noch die Taschen voller Sand. Unter heftigem Augenreiben fahren wir auf der Suche nach einer Bedachung umher und folgen unseren schweizer Kollegen zu einer überdachten Rest Area. Gregory ist der Meinung, dass die metallene Dachkonstruktion wie geschaffen ist, um das Gewitter draußen zu genießen. Nils Frage, ob das denn eine so gute Idee wäre kontert er mit: „Der Blitz wird ja durch die Stahlpfeiler in den Boden geleitet“. 5 Sekunden später schlägt keine 300m weg ein Blitz ein und es kracht ohrenbetäubend. Plötzlich sitzen alle wieder im Auto. War wohl doch nicht so optimal der Spot:-)! Wir stehen mit zwei Autos noch ein wenig auf der Rest Area. Nils und ich sind von den schweizer Kollegen einfach nur noch beeindruckt als wir sehen, dass diese die Fenster ihres Autos runtergekurbelt haben, obwohl jeden Moment ein Blitz einschlagen könnte. Das ist einfach die fehlende jahrelange Erfahrung, die uns hier noch den Schneid abkauft. Ein freundlicher Parkaufseher eilt mit eingeschalteten Polizeileuchten herbei und bittet uns, nun doch zum Parkausgang zu fahren. Wir gehorchen folgsam. Auf dem Weg aus dem Park haut es einen cloud-to-ground-lightning nach dem anderen in unserer Nähe raus. Die GoPro erwischt den Besten satt. Mein Gott war der schön ! WS1 WS2 WS3 WS4 Oder hier nochmal als kleine Sequenz inklusive Kommentar KLICK Zum krönenden Abschluss kehren wir im örtlichen Chili´s (einer der besten die es gibt) zum Baby Back Ribs essen (fressen) ein. Dabei wird Nils aus heiterem Himmel von unserer Bedienung tätlich angegriffen. Bei Chili´s gibt es kleine Monitore mit einem Standfuß, mit denen man bestellen und bezahlen kann, damit man nicht mit echten Menschen in Kontakt kommen muss. Einer dieser Monitore steht erhöht hinter Nils auf einer Ablage. Als die Bedienung versucht, den Monitor von dort wegzunehmen, rutscht er ihr aus und landet auf Nils Kopf. Als Wiedergutmachung bekommt Nils sein Essen umsonst, obwohl er doch tatsächlich noch einmal nachbestellt hat. Sauerei. Auf meine Frage, ob sie mir auch bitte den kleinen Monitor auf den Kopf werfen kann, reagiert unsere freundliche Bedienung nur mit einem „sorry, can´t do that, hihihihihih“. Ich muss also doch bezahlen, Mist:-(. Wir kehren nach diesem genialen Tag zufrieden in unser Holiday Inn ein und bekommen sogar noch eine Suite ohne Mehrkosten und das obwohl ich einfach nur das falsche Zimmer online gebucht habe. Ja liebe Leser, solche Tage muss man bewusst erleben und genießen.

Hier noch ein kurzes Video des einrollenden Gewitters über White Sands sowie von unserer Rückfahrt nach Texas am nächsten Morgen: KLICK

Tag 10 – Inflow Feature

Bevor es zum Bericht zu Tag 10 geht, möchte ich (Nils) euch einmal kurz schildern, wie für mich der „typische Chasetag“ aussieht:

Entweder vom Geräusch der Raumpflegerinnen auf dem Flur oder vom Klickern der Laptoptastatur wache ich zwischen 7 und 8 Uhr auf. Jörg ist schon wach und checkt die neuesten Forecasts des storm prediction center und die neuesten Läufe der bekannten Wettermodelle, um das genaue target für den Tag auszumachen. Ich brauche gefühlt ewig und die Zeit läuft morgens immer dreimal so schnell wie sonst, während ich mein selbst mitgebrachtes Frühstück noch langsam in mich hineinschaufele und dabei den lustigen Reportern vom WeatherChannel dabei zusehe, wie sie mit Händen und Füßen erklären, wie man abschätzen kann, ob man zu nah an den Blitzen dran ist. Oder aber sie jagen Kanthölzer durch Pappwände im Studio, um zu simulieren, wie gefährlich es in einem Tornado ist. Wenn die Amis Häuser bauen würden, und keine Pappkartons, dann wär das alles nicht so wild. Aber unterhaltsam ist es schon…

Rechtzeitig zur checkout-Zeit (oder manchmal auch nicht) verlassen wir das Hotel, und dann ist Jörg dran mit Frühstück. Dennys, IHOP oder ein hiesiges Hillbilliy-Restaurant sind meist die Anlaufstellen. In der Zwischenzeit mache ich meist den Wagen fit, Tanken und die Monstermosquitos des letzten Chasetages vom Auto kratzen ist angesagt.

Dann nochmal ein schneller Blick auf das letzte Update zur Wetterlage und ab auf die Strasse.

In diesem Jahr ist der tyische Gewittertag davon geprägt, dass die Gewitter aufgrund von nicht vorhandenem Cap schon mittags oder kurz nach mittag hochgehen. Also sind wir recht bald in action. Falls das nicht der Fall ist, suchen wir uns eine rest area und ich koch mir was zu essen. Das war bisher aber eher die Ausnahme.

An den Gewittern wechseln wir uns mit dem Fahren ab, also übernimmt immer der Beifahrer die Rolle des Navigators und lotet die möglichen Strassenoptionen aus. Das ist sehr wichtig, um nicht plötzlich zu merken, dass man ein Biest von Sturm im Nacken hat, während vor einem ein kleines Strassenschild auftaucht, auf dem die treffenden Worte „DEAD END“ stehen.

Immer wieder checkt man die aktuellen Werte der Wetterstationen, um zu sehen, ob die Wettermodelle auch recht hatten, oder ob sich noch etwas verschiebt. Das hilft auch oft, wenn irgendetwas an der Gewitterzelle nicht stimmt oder etwas nicht ganz so läuft wie man es erwartet. Auch das Satellitenbild ist ein hilfreiches Tool, um zu sehen wo die Gewitter losgehen und wo eventuelle Gewittertrigger sich befinden.

Wenn wir dann im Chasemode sind, dann entscheiden wir meist zusammen, welche Strassenoptionen wir nehmen. Bisher hat das immer super geklappt, wir waren uns so gut wie immer einig, wie wir an die Zellen ranfahren. Ich überlasse Jörg aufgrund seiner größeren Erfahrung natürlich immer die letzte Entscheidung.

Mit Essen gehen ist während des Chasens eher wenig, also kommt das Essen meist aus der Tüte (Chips, Kekse, beef jerky) oder wird bei notwendigen Tankstopps schnell eingeschoben. Typischerweise geht so ein Sturm bis in die Dunkelheit, das heisst wenn man noch was Ordentliches essen will, dann passiert das zumeist sehr spät.

Umso mehr genießt man es dann, wenn man an einem downday mal Essen gehen kann, unsere Favoriten dafür sind meist Chilies, Applebees oder wie zuletzt Rib Crib. Anscheinend auch eine Restarurantkette, die gerade erst im Kommen ist. Im Mai ist in der Rib Crib „RibFest“, das heißt jeden Tag All u can eat Ribs für 19 Dollar.

Ich muss natürlich an diese Stelle erwähnen, dass ich gegen Jörg gewonnen habe 😉

Abends suchen wir noch schnell ein Hotel aus, das normalerweise nicht da liegt, wo es der „DeLorme Street Atlas 2015“ anzeigt, verhandeln abwechseln die best rate mit den gelangweilten Menschen hinterm Schalter und beziehen das Zimmer. Ich räume den Inhalt der Kühlbox in den meist zu lauten Kühlschrank und wir sichten unsere gemachten Bilder, bevor wir meist total platt ins Bett fallen. Jörg checkt dann noch die forecasts für den nächsten Tag und überfordert seinen Laptop damit, die riesigen 4K-Videos zu konvertieren. Und nun zurück zum tagesaktuellen Geschehen:

Fahrtstrecke 18.05

Nach einem „Down Day“ brechen wir morgens gut gelaunt bei strahlendem Sonnenschein in Abilene, TX nach Westen auf. In der Region rund um Pecos soll es die ersten Zellen heute auslösen. Nach anfänglichem Trödeln und einem halbstündigen Stau wegen Sperrung der Interstate 20 bei Midland erreichen wir die Zelle des Tages südlich von Pecos gerade zur rechten Zeit.

Die Zelle läßt bereits großen Hagel fallen, braucht aber noch um sich besser zu organisieren. Wir haben also nichts verpasst. Kurze Zeit später wird sie richtig wild. Der RFD schneidet zum ersten Mal in die Basis. Es bilden sich nördlich des Niederschlagskerns extreme Verwirbelungen im Ansaugbereich der Zelle. Eine Art horizontale Wolkenwalze entsteht, die langsam in die Vertikale gezogen wird. Dadurch entsteht in der Tat ein „Look alike“ Tornado, der auch sofort reported wird. Auf unseren Videos ist er leider nicht drauf.

Radarbild wenig später

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Wir wollen etwas Abstand vom bedrohlich nahekommenden Hagelkern bekommen und fahren weiter nach Osten. Wir halten unterwegs immer wieder an und fotografieren und filmen was das Zeug hält.

Timelapse Pecos Supercell

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Wir halten an einem kleinen Häuschen an. Nils hat die glorreiche Idee, draufzuklettern und von dort zu fotografieren. Als ein Blitz etwa 2 km vor ihm direkt ins Feld einschlägt, wird er sich der etwas zu ausgesetzten Lage bewußt und verlässt seinen Aussichtspunkt wieder. Zu dieser Zeit saugt die Zelle alles um sich herum an wie ein Staubsauger, und daher kommt uns dieses Häuschen sehr gelegen, weil es uns Windschatten bietet und man dementsprechend fotografieren und filmen kann, ohne sein Stativ festzuhalten. Leider versperrt das Häuschen unserer GoPro im Auto etwas den Blick auf das Geschehen am Boden unter der Zelle, aber trotzdem sieht man gut, wie wild es dort zugeht

Klick for timelapse

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Leider habe ich bei der Tankstrategie einen Nagel im Kopf gehabt oder einfach nicht richtig nachgedacht. Jedenfalls hatten wir mittlerweile nur noch sehr wenig Sprit und mussten notgedrungen kurz die Zelle liegen lassen, um nach Fort Stockton an die nächste Tanke zu fahren.

Im Nachhinein war das aber nicht weiter schlimm, denn kurze Zeit später verlor die Zelle schnell an Form und es verclusterte alles.

Radarbild während unseres Tankstops

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Wir fanden den Weg durch mehrere Gewitter nach Norden Richtung Odessa…

Umzingelt

…und fuhren noch einige Zeit bis Lubbock, um unseren Ziel für den nächsten Tag näher zu sein. Insgesamt ein Spitzentag, der unserem Highlight von vorgestern nur wenig nachsteht.

Tag 12 – Magere Ausbeute

Nach wenig Schlaf sehen wir zu, dass wir das Albtraumhotel der letzten Nacht schnell verlassen. Wir fahren direkt nach Fort Stockton, die Vorhersagen für heute sind eher mäßig, aber da hier gestern ganz gut was ging (wir waren woanders), könnte dies auch als Trigger für die heutigen Gewitter dienen. Wir warten so lange, bis Jörg die Nerven verliert und eine sich bildende Zelle im Süden von uns anfahren möchte. Auf dem Weg dorthin müssen wir aber erkennen, dass die Strassenoptionen quasi nicht vorhanden sind. Es gibt eine einzige Strasse nach Süden, auf der kommen wir vielleicht gerade noch an der Zelle vorbei, bevor sie über eben diese Strasse nach Süden ziehen und uns nach Mexiko reinschieben würde. Not an option… Also wieder zurück nach Fort Stockton und weiter warten. DSC02677

Vor dieser hübschen Lagerhalle genießen wir die Quellungen am HImmel…

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Wir fahren dann etwas nach Osten aus dem Ort raus an die Landstrasse. Immer wieder gehen ein paar Türme hoch, doch explosiv sieht das alles nicht aus. Aber die Blümchen sind hübsch… DSC02686 Als wir gerade schon nach Osten aufgebrochen sind, weil sich hier nichts tun will, schiebt eine Zelle westlich von uns ordentlich hoch und organisiert sich fix. Also umdrehen und hin da. Auf der Interstate nach Westen können wir sehen, dass die Zelle eine richtig tiefe Basis hat. Wir freuen uns, daß es endlich eine geschafft hat und klatschen schomal vorsichtshalber ab. Das scheint sie aber gehört zu haben. Wir erreichen die Zelle noch zu ihrer besten Zeit, bevor sie urplötzlich komplett kaputtgeht, vermutlich weil sie die kalte Luft von Nordosten zieht. Weil wir gerade sowieso schon wieder auf dem Weg nach Südosten sind, um wieder etwas vor die Zelle zu kommen,erkennen wir, dass sich gerade knapp südöstlich von uns neue Enwicklungen ergeben. Auch dort schießen die Türme hoch, diesmal richtig und bis auf über 40000 Fuss. Wir tanken noch schnell voll und dann gehts ab nach Osten auf der Interstate, um vor die neue Zelle zu kommen. Leider hat die sie die Interstate schon komplett eingenommen. Aber auf unserer Radarkarte sehen wir die Positionen der anderen Chaser, die schon komplett durch den Kern der Zelle auf der interstate fahren. Na dann können wir das bestimmt auch. Also rein in den Niederschlag. Da die Zelle mit nur 8 MPH unterwegs ist, sollten wir rech fix durchkommen. Doch schon bevor wir den richtigen Niederschlagskern mit der höchsten Reflektivität erreichen, mischt sich Hagel unter den Regen. Also fahren wir erstmal an die Seite. Der Hagel ist etwa 2cm groß, aber wir wollen nicht riskieren, dass sich da noch größerer druntermischt und wir doch noch Dellen ins Auto bekommen. Die Zelle dreht nun etwas nach rechts und schiebt sich so langsam von der Interstate runter. Immer wieder fahren wir ein Stück, bis der Hagel kommt, halten wieder an, fahren wieder weiter, halten wieder an. Als der Niederschlagskern weit genug südlich ist, fahren wir durch und bekommen auch keinen Hagel mehr ab. Die Strassenoptionen nach Süden sind spärlich, wir müssen erstmal 15 Meilen fahren, bis wir die nächste Südstrasse erreichen. Auf dieser fahren wir dann vor die Zelle und warten, dass sie auf uns zu zieht. Wir haben recht bald kein Internet mehr und damit auch keine Radarupdates. Wir treffen im Nirgendwo, wo es zugegebenermaßen sehr schön ist, drei Australier (ja auch die sind so verrückt und fliegen um die halbe Welt für Gewitter). Wir warten mit ihnen zusammen darauf, dass die Zelle auf uns zu kommt. Weil die Landschaft sehr hügelig ist, sieht man nicht sehr weit. Aus gefühlt allen Richtungen ziehen die Wolken in die Richtung, in der die Zelle sein muss. Warten….

Nach etwa 30 Minuten verlieren wir die Geduld und fahren ihr entgegen. Als wir mal wieder kurz Netz haben, müssen wir feststellen, dass die Zelle die Zugrichtung gewechselt und die Organisation verloren hat. Sie ist nach Südwesten abgehauen. Wir fahren näher ran, aber sehen kaum was. Hier und da mal ein Blitz, aber insgesamt sieht alles ziemlich nach einem europäischen Durchschnittsgewitter aus.

Wir verlassen die Hügellandschaft im Nebel wieder Richtung Fort Stockton. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass fast alle Hotels ausgebucht sind. Wir finden noch ein „Zimmer“ im Atrium Inn (whatever) zu einem fairen Preis (im Vergleich zu gestern). Wir haben schon schlimmere Motels gesehen, man muss manchmal einfach darüber hinwegsehen können, dass das Klo aussieht wie ein öffentliches oder noch die Haare der letzten Gäste auf dem Bett liegen.

Wir einigen uns darauf, nächste Nacht ein gutes Hotel zu nehmen, koste es was es wolle.

Fazit des Tages: Lange gewartet und im Endeffekt nicht viel gesehen, kleinen Hagel mitgenommen, wunderschöne Landschaften durchfahren, mittelmäßiges Motel bekommen. Leider sieht der Wetterbericht so aus, als würden wir bis zur Abreise nicht mehr viel mehr bekommen. Daher fahren wir morgen nach New Mexico in den White Sands National Park bei Alamogordo. Freitag geht vielleicht noch was, aber das ist noch unsicher.

TAG 11 – BUST

Bust-route

Der Bericht zu Tag 10 muss noch etwas nachbearbeitet werden, für screenshots aus den Videos von Jörg muss der Laptop sich noch etwas zu Tode konvertieren, daher nun erstmal der zugegebenermaßen recht einfach zu rekonstruierende Bericht zum gestrigen Tag:

Wir starten heute nach Ausnutzen eines late checkout um 12 Uhr Ortszeit von unserem Hotel in Lubbock.

Da wir glauben, an der richtigen Stelle für die heutige Lage zu sein, bleiben wir in der Gegend und fahren nur ein paar km nach Osten aus der Stadt in den Buffalo Springs Park. Das ist so etwas wie ein Naherholungsgebiet, zwei große Seen liegen eingebettet in einen kleinen Canyon. Eine sehr schöne Gegend, und es sieht doch komplett anders aus als in Lubbock selber. Auf der Suche nach einer geeigneten Kochstelle stellen wir fest, dass windgeschütze Stellen zwar eigentlich zum Kochen geeignet sind, das hilft aber alles nichts, wenn man das Auto dort nicht verlassen kann. Nils versucht es kurz, kommt nach 10 Sekunden mit drei neuen Mückenstichen aber wieder zurück ins Auto.

Auf der anderen Seite des Sees ist der Wind zwar kräftig, aber das hält auch die Mücken fern, und so halten wir uns hier etwas auf, und warten darauf, dass sich am Himmel etwas tut. Immer wieder sieht man hier und da etwas kräftigere Cumuluswolken, doch die fallen immer wieder zusammen. Wir sind entspannt, weil es erst etwa 14 Uhr ist. Mehr daytime heating sollte auch für kräftigere updrafts sorgen, die es dann doch schaffen müssten.

Wir verlassen den Park wieder und stellen uns an den Ortsrand von Lubbock. Auf dem Radar sehen wir schon Zellen weit südlich und nördlich von uns, die schnell kräftig werden und auch bewarnt werden. Wir vertrauen auf unsere target area und glotzen weiter an den Himmel. Alle kräftigeren updrafts fallen direkt wieder zusammen, und wir werden langsam nervös. Als sich dann auf dem Radar etwa 20 Meilen südlich von uns Niederschlagssignale zeigen, glauben wir, dass es nun soweit ist, und fahren los. Leider fällt auch diese Zelle schnell wieder zusammen. Also wieder warten…

Dann bildet sich etwa 50 Meilen südlich eine kleine Zelle, und da es mittlerweile fast 17 Uhr ist, fahren wir sofort hin. Vor Ort erkennen wir zwar kräftigere updrafts, die auch schön anzusehen sind, aber man merkt, dass die updrafts nur bis in mittlere Höhen sehr kräftig sind, darüber geht ihnen immer die Puste aus. Sie schaffen es nur auf ca 30000 Fuss, da ist für ein schweres Gewitter noch gar nichts. Richtig heftige Gewitter gehen hier drüben gerne bis 50000 Fuss, manchmal sogar noch höher.

Wir fahren noch ein bißchen durch die Gegend und müssen alsbald einsehen, dass wir heute die Bust-Karte gezogen haben. Hier in diesem Gebiet haben anscheinend die Winde nicht gestimmt und auch die mid level lapse rates waren zu niedrig. Hätten wir uns schneller für das nördliche target entschieden, hätten wir vielleicht noch etwas Hagel gefunden, das südliche target war deutlich zu weit weg und die Zellen dort hatten noch dazu südliche Zugrichtung. Dort sind sie aber ordentlich abgegangen, wir hätten letzte Nacht einfach dort bleiben sollen. Wir haken den Tag ab und fahren noch bis nach Odessa, also wieder nach Süden, weil hier für morgen ein slight risk vorhergesagt ist.

Wir checken in einem viel zu teuren Hotel ein, dass so ziemlich das schlechteste unserer bisherigen Reise ist. Hier in Odessa sind die Hotels alle sauteuer, da es in der Gegend sehr viele Ölfelder und damit viele Ölfeldarbeiter gibt. Die Hotels können sich es einfach leisten, sauteuer und grottenschlecht zu sein, weil die Nachfrage zu einen stimmt und sich der gemeine Ölfeldarbeiter wohl auch nicht über ein gruseliges Zimmer beschwert bzw auch gerne noch zum Gruselfaktor beiträgt.

Hoffentlich haben wir morgen mehr Glück mit unserem Forecast…

Tag 9 – Ruhetag

Wir waren schon morgens nach dem Aufwachen in Ardmore bei strahlendem Sonnenschein schnell davon überzeugt, das heute nicht viel passieren wird. Also nutzten wir den Tag zum entspannten Shoppen in einer Mall in Dallas Fort Worth und verschoben uns dann nach Westen. Wir übernachten im Holiday Inn in Abilene, TX und fahren dann vermutlich morgen weiter nach Westen an die Grenze zu New Mexiko.

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Tag 8 – Endlich

Fahrtstrecke 17.05.2015

Heute morgen wachen wir gut erholt im La Quinta Inn in Elk City, OK auf. Draußen ist es regnerisch, kühl und diesig. Nicht gerade verheißungsvoll. Heute hing das Tornadopotential am seidenen Faden. Wenn die Gewitter aus der Nacht schnell genug nach Nordosten ziehen und dahinter die Sonne rauskommt, könnte es ein großer Tag werden.

Schon nach dem ersten Checken der Mesoscale Analysis Karten zeigte sich, dass wohl alles weiter westlich als gedacht losgehen würde. Bereits kurz vor der Mittagszeit gingen erste Zellen mitten im Texas Panhandle hoch, ca. 250km südwestlich von unserem Standort. Relativ schnell wird klar, dass die Gewitter dort sehr schnell sehr stark werden und keine Gefangenen machen. Wir beschließen sofort nach Westen nach Shamrock zu fahren, wo wir gestern geschlagene 6 Stunden auf einem McDonalds Parkplatz wie die Bescheuerten gewartet haben. In Shamrock halten wir uns aber nicht lange auf und fahren nach Süden an die erste vielversprechende Zelle ran. Die Zellen ziehen heute sehr schnell, mit ca. 40 Meilen pro Stunde. Grundsätzlich bedeutet das für unsere Strategie, immer etwas weiter als normalerweise von der Zelle weg in Zugrichtung zu stehen und nicht zu nah heranzufahren. Ist so ein schnell ziehendes Gewitter erst einmal nördlich von uns, kommt man eigentlich nur sehr schwer noch davor.

In der Nähe des Ortes Hedley, TX fahren wir an die erste tornadobewarnte Zelle des Tages heran.

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Soweit also schon mal alles richtig gemacht. Den ersten Funnelcloud Report konnten wir visuell nicht bestätigten, weil wir noch ca 20 Meilen weit von der Zelle weg waren. Bei unser Ankunft sah alles irgendwie nicht mehr wohl organisiert aus, irgendetwas stimmte nicht. Die Zellen sahen nicht gesund aus, waren sehr outflow-dominant und wurden sehr schnell linienartig.Wir vermuten, dass es an der fehlenden Südostwind-Komponente am Boden lag. Der Wind kam zu dieser Zeit noch steil aus Süden. Somit zogen die Zellen immer wieder die Kaltluft der Zellen weiter im Süden in sich hinein, anstatt sich in die gute Luft weiter im Osten zu fressen. Versteht uns nicht falsch, die Zellen sahen auf dem Radar nach klassischen Superzellen aus und hatten in der Realität richtig Power. Einmal sind wir fast zu nah an den Niederschlagskern herangekommen, weil das Straßennetz keine andere Option zuließ und haben direkt kleineren Hagel aufs Dach bekommen.

Zeitraffer des Niederschlags-PacMan

Just in diesem Moment kam westlich von unserem Standort auch noch ein Tornadoreport rein, offensichtlich rain wrapped, denn sehen konnten wir rein gar nichts. Visuell war das alles eher nichts.

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Da wir aber auf den Surface Observations sahen, dass in Oklahoma östlich von uns deutlich bessere Winde am Boden vorhanden waren, hofften wir (zurecht), dass sich die Zellen massiv organisieren, sobald sie Grenze zu Oklahoma überschreiten würden. Das passierte dann auch.

Es ging weiter nach Süden immer an der Gewitterlinie entlang. Im Süden hatte es bereits einzelne, freistehende Gewitter ,die sich gut organisierten. Wir mussten irgendwie davor kommen und fuhren was das Zeug hält, auch über unbefestigte Straßen. Das ließ sich einfach dieses Mal nicht verhindern, aber da diese Straßen noch trocken waren, ging es einigermaßen. Immer wieder brach die Internetverbindung unterwegs ab, was immer für ein bisschen Puls bei uns sorgt.

Auf dem Weg nach Süden endlich mal freiher Blick auf Updrafts

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Profis bei der Arbeit: Das TIV „Tornado Intercept Vehicle“ von Stormchaser und IMAX-Filmemacher Sean Casey bei El Dorado, OK. Das TIV kann stärkere Tornados überstehen. Getestet haben sie das im Übrigen auf einem Flugfeld hinter einer Boeing 747, die die Triebwerke auf Volllast hat. Es gibt ein weiteres Panzerfahrzeug von Stormchaser-Ikone Reed Timmer. Die haben einen Aufkleber auf dem Auto: „Mythbusters – 250 mph approved“. Wer die Serie kennt, kann ja mal googlen.

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TIV samt Begleitfahrzeug

Endlich kamen wir vor unsere Zelle. Aus dem Amboss regnete es die ganze Zeit leicht. Da wir kein Internet zu diesem Zeitpunkt hatten, ein auf jeden Fall sicheres Zeichen, das wir nicht wirklich lange anhalten konnten. Die Zelle ließ uns nicht los.

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Das Gewitter entwickelte sich zu einer richtig giftigen Superzelle und war schon seit längerem tornadobewarnt. Sie produzierte bis dato aber noch keinen Tornado. Im Ort Tipton hatten wir bereits etwas Abstand gewonnen und die Gelegenheit zum Tanken genutzt. In diesem Moment konnte man bereits Tornadosirenen hören. Das klingt immer sehr furchteinflößend.

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Superzelle zieht auf Tipton, OK zu.

Wir fuhren etwas nach Süden aus der Stadt raus. Dabei offenbarte sich diese atemberaubende Struktur. Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein riesiger Tornado am Boden.

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17.05.2015 Supercell

Der Erdblitz war weitaus heftiger als er hier scheint. Die Kamera hatte es gerade noch drauf. der Donner war wie ein Kanonenschlag. Danach ist die Kamera vor Schreck umgefallen:-)

Auf dem Feld vor uns erkennt man einen massiven Staubsturm, der vom Inflow der Zelle erzeugt wird. Generell schätzen wir den Inflow zu diesem Zeitpunkt auf ca. 70 – 80 km/h. Mein Stativ hat es samt Kamera einfach umgehauen. Zum Glück noch alles heile.

Sehen konnten wir den Tornado leider nur sehr schemenhaft, wir standen etwas zu weit südlich und haben daher wenig Kontrast und damit Blick unter die Zelle gehabt. Kurz vor meinem Poserfoto unten konnte ich Powerflashes – vermutlich von umfallenden Strommasten – erkennen. Das Foto reiche ich noch nach. Da ich keinen gescheiten Laptop zum Bearbeiten von 4K Videos habe, dauert das aber noch bis nach dem Urlaub.

Ein Poserfoto muss sein

Ein Poserfoto muss sein

Hier könnt ihr einen Zeitraffer des Tipton Tornados sehen. Man erkennt ihn wie gesagt leider nur sehr schemenhaft. Auf Höhe des rot/braunen Kastens auf dem Feld im Vordergrund erkennt man dann das Aufblitzen der weggerissenen Stromleitungen.

Link zum Video

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Wir ließen die Zelle nach einigem Gerase nach Osten hinter einem „Doppler on Wheels“ LKW über unbefestigte Straßen dann ziehen, weil wir einfach nicht mehr nach Nordosten davor kommen konnten. Im Süden gab es aber bereits neue tornadobewarnte Zellen, die wir dann anfuhren.

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Saftige Erdblitze südwestlich von Geronimo an der Interstate 44

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Zeitraffer an dieser Position

Diese Zelle verfolgten wir noch kurz nach Nordosten. Wie aus dem Nichts sehen wir auf einmal auf der Fahrt nach Osten einen Tornado aus dem Auto heraus.

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Wir halten hektisch an und versuchen noch Fotos zu machen, aber der Tornado ist bereits hinter einem Regenvorhang verschwunden und wir sehen nur noch ein gleichförmiges Dunkel unter der Zelle.

Wieder sehen wir eine tornadobewarnte Zelle im Süden, die sogar freie Luft nach Süden zur Verfügung hat. Die Zelle produziert aber keinen Tornado mehr. Nach dem Eindunkeln wachsen die Zellen zu einer Gewitterlinie zusammen, die uns dann in Ardmore, OK noch im schwachen Zustand überrollt. Wir fallen um kurz nach 1:00 Uhr zufrieden ins Bett. Auch wenn wir die Tornados nur kurz oder gar nicht sehen konnten, war das ein atemberaubender Tag mit fantastischen Gewittern.

Tag 6 – 500 Meilen Rennen

Ich wache heute gegen halb 8 im Days Inn auf, und frage mich, ob ich auf der Interstate eingeschlafen bin. Jörg war wie so häufig schon vor mir wach und hatte schon geduscht. Um die Feuchtigkeit aus dem innenliegenden Bad zu bekommen, hat er freundlicherweise den Lüfter laufen lassen, der unfreundlicherweise offensichtlich von einem amerikanischen V8 Big Block Motor angetrieben wird. Nach ziemlichem Rumtrödeln kommen wir so um kurz nach 10 endlich los.

Unser erstes target heisst Big Spring an der I-20, wo wir etwa eineinhalb Stunden später eintreffen. Da wir auf dem Radar schon erste Niederschläge im Westen sehen, fahren wir gleich ein Stück weiter vorbei an Stanton bis kurz vor Monahans (wer da wohl die beiden Stadtgründer waren). Die Zellen dort sind noch nicht mit einer severe thunderstorm warning versehen, scheinen aber bald soweit zu sein.

Wir fahren nah ran, teilweise sieht unsere Zelle recht gut aus, versucht sich besser zu organisieren, struggled dann aber immer wieder. Wir machen ein paar Fotos von den zahlreichen Ölpumpen…

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Da die Zelle an Fahrt verliert und die Organisation abnimmt, überlegen wir schwer, schonmal nach Norden zu fahren, weil wir für morgen eigentlich weit hoch wollen, bis nach Nebraska (das sind von dort aus gut 1000 km).

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Bevor wir die Zelle verlassen, wollen wir uns nochmal überrollen lassen. Sie gibt dann aber direkt vor uns den Geist auf und regnet nur noch leicht über uns. Wir nehmen die Beine in die Hand und fahren gen Norden.

Im Norden von uns war auch den ganzen Tag Akivität, auch dort eher pulse type storms, die schnell hochschiessen und dann auch schnell wieder zerfallen. Nach etwa 50 km bemerken wir östlich unserer geplanten route einen Sturm auf dem Radar, der extrem gesund aussieht und auch ordentlich Power hat. Die Wolkentops sind laut Anzeige bei etwa 45000 Fuss und die Zelle steht quasi auf der Stelle, weil sie immer wieder südlich neu anbaut und nur mit 10 MPH zieht.

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Jörg entschließt, dass wir da noch ranfahren. Aufgrund der typischen Aktivität der heutigen Gewitter bin ich zuerst nicht überzeugt, dass die Zelle durchhält. Doch ich sollte Lügen gestraft werden…

Nach ca einer Stunde erreichen wir die Kleinstadt Post, wo die Zelle schon ordentlich Wasser gelassen hat. Die Strassen sind teilweise gut überschwemmt. Schon auf dem Weg dorthin sehen wir, dass die Zelle extrem viel cloud-to-ground lightning produziert. Wir fahren südlich an der Zelle vorbei, und nicht selten besteht unser Sprachrepertoir aus Urlauten wie „UUUUUU“ oder „OOOOAAAA“ oder „AAAAALTER“, weil die Blitze atemberaubend sind.

Wir halten öfters an und holen die Kamera raus, werden aber immer wieder leicht zugeregnet, weil dauernd von Süden Niederschläge in die Zelle eingesogen werden.

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Jörg gelingen ein paar geniale Shots. Die Strukur zu dieser Zeit ist schwer begeisternd.

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Immer wieder verstärkt sich die Zelle und fährt dann straight nach Osten, so dass wir wieder etwas weiter nach Osten ausweichen. Als sie mal wieder etwas Fahrt verliert und wieder die Nordostrichtung einschlägt, nutzen wir eine Nordstrasse, um nahe heranzukommen. Als auch auf dem Radar die Aktivität etwas schwächer aussieht, planen wir, auf unserer Nordstrasse an der Zelle vorbeizufahren, da wir ja nach Norden weitermüssen. Es sieht so aus, als ob wir nur den äußeren Rand des Niederschlags streifen würden. Wir halten nochmal kurz an, weil wir sehen, dass die Wolken an der Basis weit Richtung Boden runterhängen. Wir entscheiden uns bei „jetzt oder nie“ für „jetzt“ und rasen nach Norden. Ärgerlicherweise haben wir schon seit einiger Zeit wieder keinen Internetempfang und müssen so dem vertrauen, was wir sehen. Das ist gerade nachts nicht unbedingt die beste Variante, aber nach Süden wollen wir nun auch nicht mehr.

Auf der Fahrt nach Norden beginnt es erst leicht zu regnen, dann stark zu regnen, dann kommt Sturm dazu, der den Regen quer über die Strasse peitscht. Die Sicht wird immer geringer, bis wir bei gefühlten 150 Dezibel im Auto nur noch etwa 10m Sicht haben. Es mischt sich Hagel unter den Regen und wir hoffen nur noch darauf, dass er nicht so groß wird, dass wir hinterher Dellen im Auto haben. Zeitweise muss Jörg fast stehenbleiben, weil er nix mehr sieht. Die Situation ist extrem anstrengend und die Spannung im Auto ist fühlbar.

Ich versuche mein Bestes, Jörg zu beruhigen und selber ruhig zu bleiben, indem ich so tue, als würde ich es gerade lustig finden, was hier passiert. Insgeheim war auch ich nicht hundertprozentig davon überzeugt, dass sich die Zelle nicht doch in Abwesenheit unserer Internetverbindung noch verstärkt hat und uns gleich der Riesenhagel heimsucht. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir die nächste Ost-West-Option, und entscheiden uns, erstmal nach Westen rauszufahren, weil der gesamte Gewittercluster ja nach Nordosten unterwegs ist, und wir erstmal durchschnaufen müssen. Der Moment, in dem die Sicht wieder besser wurde und es klar war, dass wir nun raus waren, war extrem erleichternd. Die Anspannung ist von einem auf den anderen Moment komplett abgefallen, da haben wir erstmal gemerkt wie angespannt wir tatsächlich waren.

Ein geiles Gefühl…

Wir fahren noch etwa eineinhalb Stunden bis nach Childress und erreichen um kurz vor 2 nachts ein Days Inn, wo wir vollkommen erschöpft schnell ins Traumland entschwinden.

Der Wecker steht auf 8 Uhr, weil wir glauben, dass wir noch 6 bis 7 Stunden nach Norden fahren müssen am nächsten Tag…

Tag 5 – Einreiseverbot

Fahrtstrecke 13.05.2015

Wieder einmal wachen wir bei Gewitter auf. Es gab einige saftige Naheinschläge in der Nähe des Holiday Inn in Uvalde. Ja, wir haben dieses Mal ein etwas besseres Hotel ausgesucht. Das Hotel hatte sogar einen kleinen Fitnessraum, dem wir direkt nach dem Aufstehen einen Besuch abstatteten. Da fühlt man sich gleich viel besser, nach all dem „den ganzen Tag im Auto sitzen“ und vor allem „dem Junk Food“.

Erstmal war frühstücken angesagt.

typisches amerikanisches Restaurant, etwas heruntergekommen zugegebenermaßen aber lecker

typisches amerikanisches Restaurant, etwas heruntergekommen zugegebenermaßen aber lecker

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Sogar die Smiley´s sind hier fett

Danach ging es gemächlich Richtung Westen. Zweites Frühstück war angesagt.

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mmmh, das ist gesund

Auf dem Weg nach Westen kommen wir an einer Doppler-Radar Station vorbei. Wir huldigen ihr entsprechend, schließlich hätten wir ohne sie kein Radarbild.

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Station KDFX bei Bracketville, TX

So sieht unsere Position auf dem Radar aus

So sieht unsere Position auf dem Radar aus

Im Westen über Mexiko hatte es bereits einige viel versprechende Gewitter. Aber auch nordwestlich von uns ging es los. Nach einigem Hin- und Her und Abwägen der Möglichkeiten entschlossen wir uns, die Zelle anzufahren, die zur Zeit westlich von uns ca. 70km hinter der mexikanischen Grenze langsam Richtung Südosten zog.

Supercell Mexico

Schöne Zelle, aber wir kommen nicht ran…uns trennt die mexikanische Grenze

Wir hofften, dass sie nach einiger Zeit nach Texas reinziehen würde. Auf dem Weg Richtung Süden, immer an der Grenze entlang, trafen wir natürlich wieder unsere Chaser Kollegen Markus Pfister, Dominik Blaser und Gregory Käser.

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Nach kurzem Fachsimpeln fuhren wir gemeinsam nach Süden Richtung Eagle Pass und fanden ein Geisterhaus.

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Spooky

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Zu diesem Zeitpunkt böllerte die Zelle schon ordentlich neben uns, war aber immer noch ca 50km weit weg…und machte leider überhaupt keine Anstalten, ihren Kurs mehr Richtung Ost zu korrigieren. Im Gegenteil, sie zog mittlerweile eher Richtung Süden. Das hieß für uns, dass wir die Zelle auf keinen Fall mehr abfangen können. In diesem Moment wünschte sich ausnahmsweise wohl jeder von uns, für einen Tag Mexikaner zu sein.

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Updraft der Superzelle, Blickrichtung West-Süd-West

Eine nahezu perfekte Superzelle, zumindest auf dem Radar.

Text Book Structure

Text Book Structure…man beachte unsere aussichtslose Position (weißer Kreis)

Es half alles nichts, wir mussten versuchen die Zellen im Norden anzufahren. Zu diesem Zeitpunkt waren sie nordwestlich von Del Rio, ca. 200km von uns entfernt. Eine dieser Zellen wurde sogar kurzzeitig tornadobewarnt. Nach ca. 2 Stunden waren wir an den Zellen – oder was davon noch übrig war – dran. Überraschenderweise bot sich doch eine ganz imposante Szenerie mit tollen Lichteffekten.

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Wir konnten sogar noch einige der doch sehr zahlreichen Erdblitze zu diesem Zeitpunkt einfangen.

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Wieder trafen wir unsere Chaser Kollegen. Wir fuhren noch ein Stück zusammen, aber die Zelle gab dann doch recht schnell auf. Wir beschlossen mit dem morgigen Tag im Hinterkopf Richtung Norden nach Sonora zu fahren.

Tag 4 – Grenzerfahrung

Von Kenedy, TX nach Uvalde, Tx – 286 Meilen

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Heute morgen sind wir mal wieder unter einem bedeckten Himmel aufgewacht. Da die Aussichten nicht besonders gewitterträchtig waren, war es also umso wichtiger, eine Stelle zu finden, an der es aufklart und somit die Einstrahlung für eine höhere Gewitterchance  sorgen kann. Das erste Ziel sollte Del Rio an der Grenze zu Mexico sein.

Wir mögen Texas an sich gerne, das scheint aber nicht allen so zu gehen:

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Von Kenedy aus geht es als zuerst nach Nordwesten Richtung Stantonio, dann auf der US 90 nach Westen. Lange Zeit ist gleichmäßiger europäischer Nieselregen unser Begleiter.

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In Uvalde halten wir an, und nach kurzer Überlegung entschließen wir uns, eher nach Süden zu verschieben, da es in die Richtung etwas mehr nach Aufklarung aussieht.

Wir fahren also nach Südwesten, und kommen somit der mexikanischen Grenze immer näher. Ein untrügliches Zeichen dafür ist die Tatsache, dass jedes zweite Auto ein Fahrzeug der Border Patrol ist.

Kurz vor Eagle Pass fahren wir dann wieder nach Südosten. Der geneigte Leser mag sich denken: „Warum sind die nicht gleich auf der 83 nach Süden gefahren ?“ Und Recht hat er, wir haben einfahch die falsche Strasse genommen. Bis wir das gemerkt haben, sind wir aber schon so weit, dass sich umdrehen nicht mehr lohnt.

Aber auf den endlosen Landstrassen vergeht die Zeit wie im Flug…

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Um die Stimmung aufzulockern, fordern uns ein paar Grenzbeamte an einer Kontrollstelle auf der Landstrasse noch auf, in unseren Koffern nach den Reisepässen zu suchen, da sie uns offensichtlich für mexikanische Flüchtlinge halten.

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Wir sehen dem durchschnittlichen Mexikaner auch einfach zum Verwechseln ähnlich. Kurze Zeit später erreichen wir Carrizo Springs, wo wir wieder anhalten und feststellen müssen, dass heute vermutlich einfach nichts mehr passieren wird.

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Etwas weiter südlich (etwa 100km) zeigt das Radar Niederschlag an, aber mehr als ein Schauer steckt vermutlich nicht dahinter. Heute soll es einfach nicht sein. Auch solche Tage gehören zum Chasing dazu. Nachdem wir im hiesigen WalMart eine Frisbee gekauft haben, beschließen wir, die Nacht nicht in Carrizo Springs zu verbringen, da dieser Ort einfach extrem trostlos und hässlich ist. Eine typische Kleinstadt auf dem absteigenden Ast, viele geschlossene Restaurants bzw Fresshütten. In Anbetracht des morgigen Ziels fahren wir wieder nach Norden nach Uvalde, und nehmen uns ein Zimmer im Holiday Inn.

Applebees beschert uns noch ein durchschittliches Steak für Jörg und ein leckeres Full Rack Baby Back Ribs für mich.

Für morgen hat der Forecaster Jörg gute Hoffnung auf mehr Action, und daher schlummert er auch schon friedlich im Bett neben mir, während ich ein paar Zeilen verfasse.

Fazit des Tages: Ohne aufregendes Wetter ist Texas nur halb so schön…